Er malt nicht was da ist. Nein, umgekehrt. Was er malt, ist dann auch da. Neu erstandene
Wirklichkeit in Bildern, geschaffen aus Restbeständen des Gewesenen: Wiederfinden mit
den Augen, was der Mensch verlassen hat oder was den Menschen verlassen musste, das
trägt entweder seine Bilder und Zeichnungen, nahe verwandt der guten alten Assemblage,
oder es wird selbst zum Bild-Stoff. Gemeinhin alter, nichtsnutziger Kram. Jörn Michael
hat in einer Aufsehen erregenden Aktion serienweise abgeweidete Kuchen-Pappdeckel
bezeichnet und bemalt – bezeichnend! Aber er macht, auch wenn es manchmal danach aussieht
und sogar darauf zu verweisen scheint, keine Harlekinaden. Der Blick des Künstlers ist
ernst auf den Boden gerichtet, den Boden der Tatsachen, unter dem die Wahrheit liegt.
Vielleicht hat der Künstler solcherart schürfende Blickweise von den alten Bergknappen
mitbekommen, die den Berg handfest unter seinen täglichen Wegen durchfurcht hatten:
subversiv gesehen, widerborstig gemalt.
Reinhold Lindner, Kulturjournalist, Augustusburg
Kunst kommt von Können – so heißt es bisweilen recht leichtfertig. Jörn Michaels Kunst kommt vor allem vom Sehen können. Geschult durch das Auge des Fotografen geht sein Blick in die Tiefe. Hier und da sieht er Ungeahntes, das er in ganz unterschiedlichen künstlerischen Medien zu Tage fördert und was für den Betrachter mitunter auch eine Herausforderung bedeutet.
Aus fettgetränkten und sahneverschmierten Kuchenpappen zaubert er mit Tusche und Aquarellfarbe faszinierende Zeichnungen. Alte Dachbalken verwandelt er mit Kettensäge und Kreide zu skurrilen Skulpturen, einen Kaninchenbalg zur Kleinplastik. Verrostete Bleche, der Deponie und dem Sperrmüll entrissen, werden unter seiner Regie zu grotesken Köpfen und Figuren absonderlicher Art. Dabei muss er gar nicht viel Hand anlegen – auf den Blick und die Perspektive kommt es an, gerade so wie in der Fotografie. Und auch in den vergleichsweise klassischen Techniken Malerei, Zeichnung und Druckgrafik bringt er auf diese Weise manche Überraschung hervor. Er experimentiert mit Farben und Strukturen und lässt der Inspiration durch das Material viel Raum, ohne dabei die inhaltliche Komponente zu vernachlässigen.
Eine Entdeckungsreise lohnt sich also – hier im Netz oder auch bei einem Atelierbesuch in Buchholz.
Alexander Stoll, Kunsthistoriker, Geyer
Aus fettgetränkten und sahneverschmierten Kuchenpappen zaubert er mit Tusche und Aquarellfarbe faszinierende Zeichnungen. Alte Dachbalken verwandelt er mit Kettensäge und Kreide zu skurrilen Skulpturen, einen Kaninchenbalg zur Kleinplastik. Verrostete Bleche, der Deponie und dem Sperrmüll entrissen, werden unter seiner Regie zu grotesken Köpfen und Figuren absonderlicher Art. Dabei muss er gar nicht viel Hand anlegen – auf den Blick und die Perspektive kommt es an, gerade so wie in der Fotografie. Und auch in den vergleichsweise klassischen Techniken Malerei, Zeichnung und Druckgrafik bringt er auf diese Weise manche Überraschung hervor. Er experimentiert mit Farben und Strukturen und lässt der Inspiration durch das Material viel Raum, ohne dabei die inhaltliche Komponente zu vernachlässigen.
Eine Entdeckungsreise lohnt sich also – hier im Netz oder auch bei einem Atelierbesuch in Buchholz.
Alexander Stoll, Kunsthistoriker, Geyer